Sonntag, 04.08.2013

Fährt man mit dem Fahrrad am Sonntag Nachmittag durch das Gleimviertel, kann man einiges erleben. Eigentlich war der Anlass das Pokalspiel des 5.- Ligisten BFC Dynamo gegen den VfB Stuttgart. Aber die hohen Ticketpreise, die massive Polizeipräsenz und die martialischen Kontrollen, Flaschen und Müll haben uns abgeschreckt. Dafür gab es genügend andere Dinge die uns positiv aufgefallen sind oder nachdenklich gestimmt haben.

Das Fussballspiel:

Mit erhöhten Ticketpreise gegen Hooligans

500 Polizisten und 300 Sicherheitskräfte waren bei dem Hochrisiko-Spiel im Einsatz. Vor zwei Jahren war es bei Dynamos Pokalauftritt im Jahn-Sportpark gegen den 1. FC Kaiserslautern zu schweren Ausschreitungen gekommen. Für die Partie gegen den VfB hatte der BFC, der sein Negativ-Image vom Randale-Verein endlich loswerden will, extra ein neues Sicherheitskonzept mit der Polizei ausgearbeitet.

Mit erhöhten Ticketpreisen sollten die Hooligans vom Besuch des Spiels abgehalten werden. Ab 30 Euro war man dabei. Etwa 10.000 Fans wollten das Spiel sehen. Davon unterstützte eine beträchtliche Anzahl die Schwaben. Berlin gilt ja als ihre heimliche Hauptstadt, und die meisten davon leben im Prenzlauer Berg. „Es gab keine besonderen Vorfälle, alles blieb ruhig„, sagte ein Berliner Polizeisprecher zu Beginn des Spiels. Das änderte sich auch nicht nach dem Spiel, das übrigens der VFB Stuttgart nach tapferer Gegenwehr der Berliner, 2:0 gewann.

Zum Überraschenden:

Auf dem Weg zum Jahn-Sportpark fuhren wir über die Schönfließer Behelfsbrücke. Eigentlich wollten wir die Kameras fotografieren mit denen Zalando seine „Marienburg“, aber auch den öffentlichen Raum überwacht. Ob die das denn dürfen, hat der Fraktionsvorsitzende der Piraten, Jan Strecker, in einer kleinen Anfrage das Bezirksamt befragt. Eine Antwort hat er darauf noch nicht bekommen.

Das Headquarter von Zalando, das ehemalige Bewag Umspannwerk, im Stile einer mittelalterlichen Ordensburg erbaut, liegt bekanntlich an der Ecke Kopenhagener/Sonnenburger Straße. Hier standen die ganze Sonnenburger Straße ‚runter Marktstände, ca. 60 an der Zahl. Es herrschte ein reges Treiben und die Stände waren gut besucht. Organisiert haben das Ganze zwei Mitbürger aus dem Gleimviertel, die mit der Geschäftsidee „Small-Business-Markt“, private Kleinhändler und Erzeuger ansprechen, gegen Miete der Stände, ihre Produkte auszustellen und zu verkaufen. Jedenfalls herrschte reges Treiben und die Marktstände wurden gut angenommen. Am 6.9. soll der nächste Markttag folgen.

Bedenkliches:

Das die neue Erweiterungsfläche des Mauerparks bisher nicht angenommen wurde, lies sich besichtigen. Die neue Verbindungsstraße von der Lortzingstraße zum „alten“ Mauerpark“ wurde genutzt. Aber sonst tut sich auf der Brache nichts. Zuviel alte Betonflächen, Asphalt und Zäune. Nur ein tapferes Häufchen Mauergärtnerinnen- und Gärtner hielt auf ihrem Areal Stellung. Es war schon fast wie in einer Idylle mitten in der Großstadt. Typisch Berlin eben – das Unfertige.

Das Übliche:

Im eigentlichen Mauerpark gab es das Übliche, auch wenn wir ihn schon voller gesehen haben. Die Karaokeshow mit vielen Besuchern, teils alkoholisiert, in jeden Fall dankbar für jede Einlage, egal ob die Stimme stimmte. Hauptsache die Show war gut oder zum Lachen. Dann die Kleindarsteller, auch von Publikum gut umringt, Liebhaber lateinamerikanischer Tänze und  die unvermeidlichen Griller. Das hielt sich aber in Grenzen.

Zum Schluss, in Richtung Max-Schmeling-Halle, die Boccia Spieler, vertieft  in ihr Spiel und konzentriert. Auf dem Falkplatz wurden Kindergeburtstage gesichtet und die wasserspeienden Robben gaben tatsächlich Wasser von sich. Auf dem Rückweg dann die vollen Restaurants am Falkplatz und entlang der Gleimsstraße. Eigentlich nichts neues im Gleimviertel.

Hartmut Dold

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Kurze Fahrradtour durch das Gleimviertel
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