Wohnen auf dem Luxusliner

Dort, wo zu frühen DDR-Zeiten eine Tankstelle stand, und später eine Grünanlage mit Sitzbänken, die das durch Bombentreffern zermarterte Areal aufwertete, klafft jetzt ein Loch. Verantwortlich dafür ist die Betreibergesellschaft KWV 2. Sie will nach eigenem Bekunden auf besagtem Gebiet einen Luxusliner errichten. Die Werbung verspricht, Wohnen und Leben mit magischen Momenten. Da darf man gespannt sein.

Die Baugrube ist schon ausgehoben und 2 Bagger fahren darin herum. Auch erste Verschalungen im Tiefbau gibt es. Aber viel wichtiger ist die Frage, wer wird hier einziehen wird und welche Preis abgerufen werden. Wer wird hier wohnen?

Die attraktive, und nach neustem XML-Standard entworfene Webseite, gibt darüber Auskunft. Dort ist von einem urbanen Umfeld die Rede, das Chancen für die unterschiedlichsten Lebensentwürfe biete, von denen sich besonders Weltbürger und beruflich Erfolgreiche, angezogen fühlen dürfen. Man wird geradezu poetisch, wenn nicht pathetisch, wenn es heißt: „Man imaginiert wie selbstverständlich Kunst und Genüsse der Nacht sowie eine gewisse Leichtigkeit, die dem Ganzen innewohnt …. Rund um den Prenzlauer Berg entfaltet sich ein neuartiger, magischer Kosmos, an dem teilzuhaben reizt, dessen Offerten sich niemand entziehen kann“.

Nun, wir müssen uns dem wohl leider entziehen, weil wir uns die Preise für die Zwei- und Drei-Raum Eigentumswohnungen, geschweige denn die für die Penthauswohnungen nicht leisten können. Wir sind auch kein Weltbürger – mal in Paris oder New York, in Tokio, Moskau oder London. Dafür verstehen wir vielleicht mehr von der deutschen Sprache und hätten diesen Schmalz nicht geschrieben.

Für die Wohnungen werden Preise zwischen 3500 und 5000 Euro pro Quadratmeter verlangt. So wird auf den Seiten diverser Immobilienvermarkter eine 173 Quadratmeter große Penthauswohnung für 875.000 Euro angeboten, eine 3-Zimmerwohnung geht für rund 435.000 Euro weg. Da wurde zu Zeiten des seligen Herrn Cantian, der der Straße und dem Eck seinen Namen gab, billiger gebaut.

Herr Cantian (1794 bis 1866), seines Zeichens auch Baumeister, ist für die große rote Granitschale  im Lustgarten bekannt. Er war ein Zeitgenosse von Schinkel, dem Großmeister der deutschen Klassik. Den werden die Erbauer, auf alle Fälle die Architekten der zwei Häuser kennen. Vielleicht haben sie sich von seiner Architektur inspirieren lassen. Das wird man spätestens Anfang 2015 sehen, wenn die beiden Objekte fertiggestellt sind.

Verantwortlich für den Entwurf ist das Architekturbüro Höhne. Die Pläne und Expose’s kann man der Webseite Cantianeck entnehmen. Der Investor nennt sich KWV 2, ein uns bekannter Name aus der DDR-Zeit. So hießen die kommunalen Wohnungsverwaltungen, die mehr schlecht als recht 2/3 des Wohnungsbestandes in Ostdeutschland verwalteten und nach der Wende untergingen.

Der Bauträger ist unter KWV 2 Wohnungsgesellschaft Ost-Berlin mbH im Handelsregister Potsdam unter der Nr.: HRB 25307 eingetragen. Geschäftsführer sind Antonio Samos Sanchez und Petro Donig. Es gibt noch 2 weiter KWV. Der Sitz ist in Zossen, Baruther Straße 17. Dort haben wir nur eine Rechtsanwaltskanzlei gefunden, die auf Baurecht spezialisiert ist. Aber wir haben ja auch nur gegoogelt und waren physisch nicht vor Ort

Hartmut Dold

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Das Gleimviertel – Cantianeck
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