Werden auch wir Opfer einer möglichen Flutkatastrophe?

Berlin liegt zwischen 32 und 115 Metern ü.d.M. Das Gleimviertel liegt im Schnitt bei 45 Meter. Während Städte wie New York, London und Hamburg, ganz zu schweigen von diversen pazifischen Atollen und den Niederlanden, im Zuge der Erderwärmung und des Anstiegs des Meeresspiegels um mehrere Meter, in nicht all zu ferner Zukunft vom Wasser überschwemmt werden könnten, gibt sich Berlin und das Gleimviertel noch Hoffnungen hin. Vielleicht wird Berlin dann Seebad?

Das ist das eine von mehreren Extremszenarien der Klimaforschung und ihrer Modelle, das heute eher unwahrscheinlich ist, soweit es oben genannten Anstieg in historisch überschaubarer Dimension betrifft.

Prognostiziert werden 19 bis 30 cm bis 2100, eine Verdopplung infolge des Schmelzwasser der Arktis/Antarktis wird für möglich gehalten. Bis 2300 wird ein Anstieg von 2,5 bis 5 m vorausgesagt. Bereits bei einem Anstieg von nur einem Meter würden weltweit 150.000 Quadratkilometer dauerhaft überschwemmt werden. 180 Millionen Menschen würden betroffen sein.

Aber ist gibt noch andere Gefahren, die lauern:

Was ist mit dem Methaneis, das massenhaft am Grund der Ozeane liegt? Wird es freigesetzt, beispielsweise durch die jetzt schon zunehmende Zahl von Tiefseebohrungen zur Öl-oder Erdgasgewinnung, erhöht sich der Treibhauseffekt gewaltig.

Und was ist mit den Rutschungen an den Kontinentalränder? In der Geschichte hat es das schon einmal gegeben. Im Zuge der Storregga Rutschung, die sich vor 8150 Jahren an der Küste Mittelnorwegens abgespielt hat, wurde eine über 10 bis 50 Meter hohe Flutwelle erzeugt. Dabei wurde eine Landmasse von der Größe Islands in die Tiefe gerissen. Die Ursache war das Freiwerden von Methanhydrat am Kontinentalschelf. Allerdings gab es da noch keine modernen Menschen.

Aber man braucht in der Geschichte gar nicht soweit zurück zugehen. Wahrscheinlich brach um 1631 v.Chr. im Mittelmeer der Supervulkan Thera aus. Er schuf die Caldera von Santorini und löschte fast vollständig die minoische Kultur aus.

Auch in Ägypten waren die Folgen drastisch. Ein 20 bis 50 Meter hoher Tsunami überschwemmte das Nildelta, was an Hand von Muschelfunden und deren Datierung nach der C-14 Radiokarbonmethode nachgewiesen werden konnte. Das war in der Zeit zwischen dem Mittleren und dem Neuen Reich, in der Hungerkatasthrophen herrschten und das Land von den Hyksos erobert wurde. Es brauchte fast 200 Jahre, bis sich Ägypten davon erholt hatte. Wahrscheinlich geht die Sintflut Sage auf dieses Ereignis zurück.

Aktuell ist der Ausbruch eines Supervulkans auf La Palma im Gespräch. Er würde die gesamte Westflanke der Insel in den Atlantik abrutschen lassen und eine Flutwelle ähnlichen Ausmaßes erzeugen.

In einer 2001 veröffentlichten Studie, haben Dr.Steven Ward von der Universität von Kalifornien und Dr.Simon Day vom Benfield Hazard Research Centre die Folgen eines Ausbruches des Vulkans Cumbre Vieja errechnet. Die kanarischen Inseln und Westafrika müssten mit einer 100 Meter hohen Flutwelle rechnen. 50 Meter hohe Wellen würden die Ostküste der USA erreichen und selbst England und Spanien wären von einem 7 Meter hohen Tsunami betroffen.

Noch eine andere Variante ist möglich – Eiszeit:

Wenn durch das Abschmelzen der grönländischen Gletscher zu viel Süßwasser in den Nordatlantik gerät, kann sich der Golfstrom erschöpfen, der ganz Nord- und Mitteleuropa am Leben erhält. Schon öfters war die Atlantikpumpe unterbrochen, die warmes Wasser aus der Karibik in den Nordatlantik führt und dafür sorgt, dass norwegische Häfen und die Fjorde eisfrei bleiben.

Das zeigen die Gletscher in Norwegen in aller Deutlichkeit. Wird der warme Golfstrom durch zu viel Süßwasser im Norden unterbrochen, funktioniert die Pumpe nicht mehr. Das warme Oberflächenwasser aus der Karibik, das im Norden abkühlt und in die Tiefe sinkt, und wieder Richtung Süden fließt, wird dann durch zu viel kaltes Oberflächenwasser der schmelzenden Gletscher ersetzt, die einen Kreislauf unmöglich machen – Zwischeneiszeiten waren die Folge.

Dann lauern da noch zwei isländische Supervulkane Hekla, und Katla. Sie waren im Frühmittelalter für Hungerkatastrophen und eine kleine Zwischeneiszeit verantwortlich. Selbst im Sommer gab es hin und wieder Schnee. Damit war die Grönlandepisode der Wikinger unter Leif Erikson vorbei. Sie zogen weiter nach Kanada und weiter südlich.

Das ist eine Langfristbetrachtung!

Unsere Generation wird weder Berlin als Seebad erleben, noch werden wir an den Hängen von neu-eiszeitlichen Gletschern Ski fahren oder rodeln.

In Jahrhunderten oder Jahrtausenden gesehen, sieht das schon anders aus. Man darf nicht vergessen. Die Gletscher der letzten Eiszeit formten die Landschaft um Berlin – Urstromtäler, Sander und Findlinge waren das Ergebnis. England war mit dem Kontinent verbunden und die Ostsee ein Binnenmeer. Eiszeitliche Jäger jagten Mammuts, Rentiere und anderes Getier.

Letztendlich ist die letzte Eiszeit die Wiege unserer Kultur.

Hartmut Dold

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Das Gleimviertel – 45 Meter ü.d.M.