SPD übernimmt Büro der Linken

Weil sich Die Linken nach dem mäßigen Abschneiden bei der letzten Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus finanziell einschränken mussten, haben sie ihr Pankower Büro in der Kopenhagener Straße 76  zu Anfang des Jahres aufgegeben. Übernommen hat ausgerechnet die SPD, die hier ihr Wahlkampfbüro für Klaus Mindrup, Direktkandidat für die Bundestagswahl im September 2013, eingerichtet hat.

Ist Die Linke jetzt auch Opfer der Immobilienspekulation geworden, oder setzt sie hier sinnbildlich ein erstes Zeichen für die neue Solidargemeinschaft mit der SPD? Ein Vorbote einer zögerlichen Annäherung?

Der Parteivorsitzende der SPD, Sigmar Gabriel, hat erst unlängst der Ost-Linken Koalitionsstatus bescheinigt. Da sind aber noch die Altvorderen wie Schily, Steinbrück oder Steinmeier vor, vom Altkanzler Schröder und seinen wundersamen Wandlungen ganz zu schweigen. Superminister und Lobbyist der Zeitarbeitsbranche Clement, ist ja nicht mehr in der Partei. Die Steine, die bewegt werden müssen, liegen schon im Namen des Kandidaten und des ehemaligen Kanzleramtsministers, und sie wiegen schwer.

Jetzt schlägt auch Gregor Gysi in seinem Sommerinterview mit Bettina Schausten in die gleiche Kerbe. Er attestierte folgende Schnittmengen mit der SPD: Flächendeckender Mindestlohn, stärkere Besteuerung der Reichen und Korrekturen oder Abschaffung von Hartz IV.

Bloß gut, dass es noch den Streitpunkt: Einsätze der Bundeswehr im Ausland gibt. Es wäre ja nicht zum Aushalten! Aber gemach, ein Blick in die Geschichte genügt. Never, ever! Und das ist auch gut so, jedenfalls gegenwärtig!

Wenigstens eine Peinlichkeit hat Die Linke in Pankow inzwischen korrigiert. Monatelang war die Internet-Domain gleich geblieben, und die Besucher wurden darüber oder durch Google Maps ins Wahlkampfbüro der SPD umgeleitet. Da grüßt aber der Kandidat der SPD für die Bundestagswahl im September 2013 Klaus Mindrup. Er hat offensichtlich viel zu tun. Na wenn das keine, wenn auch ungewollte, jedenfalls kostenlose Schützenhilfe ist.

Das Internet vergisst nicht so leicht. Das wissen wir seit dem NSA Skandal ganz genau. Warum man bei einer Einreise in die USA von den Behörden, oder beim Ausfüllen des ESTA Formulars, noch gefragt wird oder angeben muss, ob man Mitglied einer kommunistischen Partei war oder ist, bleibt deren Geheimnis. Es ist eben nicht alles digital und analog wird weiter genutzt. Sicher ist sicher und jeder kennt das angeblich papierlose Büro.

Das möchten wir unseren befreundeten Geheimdiensten ins Stammbuch schreiben. Die Stasi ist an einem Informationsoverkill erstickt. Analog wie digital, alles die gleiche Soße.

Menschen sollten entscheiden und nicht mathematische Algorithmen. Nicht alles was technisch machbar ist, ist sinnvoll. Es kostet nur Resourcen und führt ins Nirwana, oder in die totale Überwachung, die keiner will und die sinnlos und gefährlich ist. Wenn Maschinen und Computerprogramme über Menschen entscheiden, tritt ein, was Stanislav Lem bereits in den 60-er Jahren in seinen Sternentagebüchern geschrieben hat: „Der Sinn der Übermittler ist die Übermittlung“.

Hartmut Dold

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