Tausche Baurecht gegen Mauerparkerweiterung

Begleitet von Medienvertretern, etlichen Politikern und ca. 70 Bürgern, wurde am 24. Juli 2013 durch Staatssekretär Gaebler, Stadtrat Spallek und Dr.Spandau, von der Allianz-Stiftung, das symbolische Rote Band durchschnitten und erstmalig ein Weg vom Brunnenviertel im Wedding zum Mauerpark im Prenzlauer Berg frei gemacht. Gleichzeitig wurden 2 ha Fläche an die Bürger zur Nutzung übergeben.

In den Reden zur Eröffnung dieses neuen Teils des Mauerparks wurde viel Symbolik verwendet. Es war vom historisch Tag die Rede, von 136 Jahren Trennung der angrenzenden Stadtbezirke durch einen 1877 errichteten Güterbahnhof, von Mauerbau und Mauerfall. Die Tatsache, dass seit dem Ende der Mauer auch schon 24 Jahre ins Land gegangen sind, in denen man in Mitte nichts zu Stande gebracht hatte, wurde positiv umgedeutet, nach dem Motte: Was lange währt wird gut.

Wird es wirklich gut?

Fast alle Anwesende waren davon mehr oder weniger überzeugt und wollten sich nicht die gute Laune verderben lassen. In ziemlich krassen Gegensatz dazu stand die übergebene Brache, in der im Auftrag von Grün Berlin noch schnell einige Firmen den schlimmsten Müll und Schutt weggeräumt hatten. Ein neuer Überweg mit Beschilderung und Streifen über die gegenwärtige Zufahrtsstraße zum Gewerbegebiet und eine 6 m breite Teerstraße Richtung Max-Schmeling-Halle zieren das Gelände. Schaut man genau hin sieht es noch aus wie bei „Hempels hinterm Sofa“, aber es stünden ja noch Mittel bereit, und das Ganze sei unter erheblichen Zeitdruck erfolgt, so Hans Göhler von der Grün Berlin GmbH. Tatsächlich waren zwei Bagger zu sehen, von denen einer aktiv war. Auch ein Wassersprenger wurde in Aktion gesichtet.

Göhler sprach davon, dass erstmal seine GmbH im Auftrag des Senats die Verantwortung  für die weitere Entmüllung, Begrünung und Parkguides übernehme. Am Rande der Gespräche hieß es, es werde geprüft, ob Grün Berlin nicht die Verantwortung für den ganzen Park übernehmen könnte. Dann wäre Pankow sein Müllproblem los.

Karsten Spallek bleibt hart

Aber es geht wie immer ums Geld. Also darum, wer zahlt wem was und wie viel, und wer hat das Sagen. Da legte sich Spallek schon mal fest: „Mitte macht Mitte und Prenzlauer Berg macht Prenzlauer Berg“! Immerhin konzedierte er, dass man sich enger abstimmen müsse und ein gemeinsamer Termin mit Stadtrat Kirchner/Pankow wurde in Aussicht gestellt. Hinsichtlich des Grillens auf „seiner“ Seite blieb er hart. Da läuft nichts auf Weddinger Seite.

Es gibt Neuigkeiten

Stadtrat Spallek konnte verkündigen, dass der Investor im Norden seine Bebauungspläne vorgelegt habe und jetzt ca. 40 Verwaltungen damit befasst seien. Auch Pankow hat den Bebauungsplan erhalten. Nach der Baugesetzgebung müssen die Prüfungen und Einsprüche innerhalb eines Zeitraumes von 4 Wochen erfolgen. Dann werden die Pläne dem Bezirk Mitte vorgelegt und von ihm beschlossen.

Von einer Öffentlichkeitsbeteiligung war nicht die Rede. Der B Plan1-64 soll bis Ende 2014 rechtskräftig sein. Dann wird entschieden, ob weitere 3 ha südlich der jetzigen Erweiterungsfläche übergeben werden, oder das Ganze rückabgewickelt wird. Selbst die jetzt übergebene Fläche umfasst ja noch nicht mal die avisierten 2 Hektar. Dazu sind noch einige Abriss und Aufräumarbeiten erforderlich, die laut Göhler, bis Herbst dieses Jahres abgeschlossen werden. Sämtliche Zeitvorgaben stehen sowieso unter Vorbehalt. Es lohnt nicht im Detail darauf einzugehen. Die endgültigen Entscheidungen werden erst 2015 fallen.

Das soll die Bürger aber nicht davon abhalten, den neuen Teil in Besitz zu nehmen. Mauergärtnerinnen und Mauergärtner waren schon mit ihren Hochbeeten zur Stelle. Auch die Bürgerwerkstatt und die Freunde des Mauerparks wollen sich weiter einbringen. Im Ganzen soll es um ein naturbelassenes Teilstück gehen. In Reiseprospekten ist das die Beschreibung für Müll und Dreck.

Garantien für den Kinderbauernhof

Immerhin wurde von Gaebler und Krüger/Bürgerwerkstatt das Thema Bauen im Norden angesprochen. Man stünde in Verhandlungen mit dem Investor über eine soziale Durchmischung des Wohngebiets durch ein vernünftiges Verhältnis von Eigentums-und Mietwohnungen und der Beteiligung von Genossenschaften. Die Groth Gruppe hatte ihr Interesse bereits avisiert. Aber da geht ja wohl um Zuschüsse und Subventionen. Am Ende zählt das Ergebnis und die Zahlen.

Immerhin hat Staatssekretär Gaebler eine öffentliche Bestandsgarantie für den Kinderbauernhof abgegeben. Das ist doch mal was!

Hartmut Dold

Please follow and like us:
Mauerpark – Öffnung vom Wedding her
Markiert in: