Win(d)s of Change – peinliche Werbung als Hauptartikel

Das sich Online-Zeitungen auch mit Werbung finanzieren ist normal. Wenn sie sich als kritische und aktuelle Nachrichtenquelle verstehen oder dafür ausgeben, sollten sie auf ihre Werbepartner achten. Man kann nicht seitenweise das Thema Gentrifizierung, Mietnotstand und soziale Gerechtigkeit bedienen, um dann großflächige Anzeigenartikel von Immobilienfirmen auf der Hauptseite anzubieten, auch wenn kleingedruckt Inserat in der Überschrift steht. Die Anzeige an sich ist weniger das Problem. Der darin veröffentlichte Text schon. Echt peinlich, oder sind wir naiv?

Gerade beim Thema Ziegert Immobilien sind wir sensibel. Sind sie doch nach mehrmaligem Eigentümerwechsel schlussendlich dafür verantwortlich, dass die letzten Mieter in der Kopenhagener Straße 67 vertrieben werden.

Fette Quadratmeterpreise werden auf der Homepage aufgerufen und bebildert. Während der Bauarbeiten, im wesentlichen Abriss- und Entkernungsarbeiten, finden an Wochenenden laufende Besichtigungen statt. Eine Operation am offenen Herzen, denn drei Mietparteien gibt es noch.

Die Quadratmeterpreise, die in der Werbung auf der Seite der Prenzlauer Berg Nachrichten von Ziegert Immobilien aufgerufen werden sind nicht ohne. Sie liegen zwischen 3250 und 4.600 Euro pro Quadratmeter. Win(d)s of Change eben.

Es folgt eine  Begründung, wer hier und warum leben soll. „Junge Akademikerfamilien und ältere Paare (die sich das leisten können), aufstrebende Kreative und etablierte Künstler, freie IT-Entwickler und Bundesangestellte.“

Einen Seitenhieb gegen das Bezirksamt und die BVV gibt es wegen des „Luxusverbots“ im Gegensatz zu den teuren Immobilien gleich kostenlos hinzu. Statt Resourcen durch Überwachung und unsinnige Regelungen zu veschwenden, solle man doch lieber die Vergabe von Baugenehmigungen beschleunigen.

Ziegert Immobilien versteht das unter Demokratisierung der Eigentumsstrukturen. Wir nennen es Vertreibung!

Besonders peinlich der erste Satz des als Inserat bezeichneten Ziegert Artikels, ein Biermann Zitat: „Nur wer sich ändert bleibt sich treu“. Das spricht wohl für sich und gegen die Macher dieses Konvoluts!

Hartmut Dold

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