IV.“Bürgerbewegung“ heute

Die letzten 20 Jahre

Kurz nach der Wende war alles anders. Die Grenzen waren offen und etwas später auch der Gleimtunnel. Es gabt noch keine D-Mark und Teile der Bürgerbewegung in der noch DDR wollten einen Staat nach ihren Vorstellungen.

In der Zwischenzeit des Untergang der DDR, durch Beitritt zur BRD, hatte sich eine Bürgergesellschaft im Osten etabliert, mit runden Tischen und Mitsprachewillen am politischen Gesamtgeschehen und an kommunalen Belangen, die auf die repräsentative Demokratie mit ihren Parteien und ihren entfalteten bürokratischen Strukturen im Westen traf.

Im Gleimkiez prallten die Interessen erstmalig 1990 aufeinander. Es ging um den Abriss des Gleimtunnels und 3 Jahre später um seine Öffnung für den Straßenverkehr, aber noch mehr darum: Wie geht die aus östlicher Sicht neue Verwaltung mit den zugegebenermaßen partikulären Interessen eines Kiezes um.

Im Westen nichts neues

Der 130 Meter lange Gleimtunnel, 1961 verbarrikadiert und dann zugemauert hatte schon immmer etwas Muffig-Dunkles aber auch einen morbiden Charm mit seinen gußeisernen Säulenreihen.

Im September 1990 wurde er wieder geöffnet und war zunächst nur für Fußgänger und Radfahrer zugänglich. Der Tunnel, der der Bahn gehörte, und der sanierungsbedürftig war sollte, um Kosten zu sparen, abgerissen werden. Im Juni fuhren die Bagger vor.

Aber da hatte sich schon eine Protestbewegung etabliert, die mit Hilfe von Sitzblockaden und der unteren Denkmalpflegebehörde den Abriss verhindern konnte. Der Gleimtunnel wurde in die Berliner Denkmalliste eingetragen und damit ein Baustop erwirkt.

Heute ist er wieder zum Objekt einer Spekulation geworden. Einer Bauspekulation, um eine gewinnbringende Verwertung des nördlichen Teils des Mauerparks mit politischer Schützenhilfe von Mitte und des Senats zu ermöglichen.

Aus der Protestbewegung war 1992 eine Bürgerinitiative geworden, die Bürgerinitive Falkplatz. Gegründet von Mitgliedern des ehemaligen Wohnbezirksausschuß (WBA) 15.

Damit fing alles an

2001 wurde der Bürgerverein Gleimviertel e.V. gegründet. Sein Wirken, seine Erfolge und Mißerfolge sind auf dieser Webseite oder im Falkblatt dokumentiert. Er ist noch da und kämpft wie ander BV aus den ehemaligen Sanierungsgebieten um seine Existenz.

Die Pankower Bezirkspolitik will sie loswerden und auf einen  „Kaninchenzüchterverein“ reduzieren. Aber da werden sich doch wohl die „Kaninchenzüchter“ zu wehren wissen!

Hartmut Dold

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Das Gleimviertel – 125 Jahre Bürgerbewegung IV