II.“Drittes Reich“

Unter der Herrschaft des Nazi-Regimes war die Bevölkerung schon von der ideologischen Ausrichtung her und durch politische und Polizeigewalt gleichgeschaltet.( Ein Führer ein Volk). Dabei war die Masse des deutschen Volks nicht unbedingt nur Opfer sondern auch Täter. Ab 1933 waren durch das Ermächtigungsgesetz andere politische Parteien als die NSDAP verboten. Hitlerjugend, Reichsarbeitsdienst, BDM, später die KdF-Organisation, kanalisierten soziale Strömungen in die vorgegebenen nationalsozialistischen Bahnen.

Eine Bürgerbewegung/Beteiligung, wie wir sie heute kennen, war deshalb unmöglich. Wer sich der „Volksgemeinschaft“ verweigerte war verdächtig. Und wer ein Jude war sowieso. Wer sich damit beschäftigen will, sollte Falladas Roman „Jeder stirbt für sich allein“ lesen. Auch für die Vertreibung von Juden aus dem Gleimviertel gibt es Beispiele.

Arbeitersportvereine

Aber es gab auch Orte des Widerstands und Formen bürgerschaftlichen Miteinanders außerhalb der Gleichschaltung. Ein Beispiel war Hermann Tops. Er wurde in die BVV Prenzlauer Berg gewählt und übte seit Ende 1931 die Funktion des Turnwarts von Berlin-Brandenburg im Vorstand der „Kampfgemeinschaft für Rote Sporteinheit“ aus. In der Sporthalle des ehemaligen Luisenstädtischen Gymnasiums, heute Schule am Falkplatz, trainierte er den Turnernachwuchs des Gleimkiezes.

1977 erhielt die, nur wenige hundert Meter vom letzten Wohnsitz von Hermann Tops entfernt liegende, 8. Polytechnische Oberschule (POS) Prenzlauer Berg in der Kopenhagener Straße 50, den Namen „Hermann-Tops-Oberschule“. Auch eine Straße im Gleimkiez wurde nach ihm benannt.

Hermann Tops wurde im Februar 1942  verhaftet und nach qualvoller Kerkerhaft im Juni 1944 zusammen mit Ernst Knaack, Heinrich Preuß, Wilhelm Rietze, Artur Sodtke und anderen Arbeiterfunktionären aus Prenzlauer Berg zum Tode verurteilt und am 14. August 1944 im Zuchthaus Brandenburg hingerichtet.

Heute fristet ein vergessener und mit Graffiti übersprühter Gedenkststein auf dem ehemaligen Schulgelände ein trauriges Dasein des Vergessens.

Ob es zwischen dem „Blockwart“ der Nazis und dem „Hausbuchführer“ in der DDR Parallelen gibt, ist noch nicht erforscht worden. Beides waren Spitzel-und Denuziantensysteme. Hinsichtlich ihrer Opfer aber nicht vergleichbar.

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Hartmut Dold

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Das Gleimviertel -125 Jahre Bürgerbewegung II
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