Gemeinsamer Spaziergang mit der Bürgerwerkstatt über die temporär neuen Flächen des Mauerparks

Unter Moderation der bereits bekannten Mediatoren Voßkamp/Seebauer fand am 04.07.2013 eine erste gemeinsame Begehung der vorgesehenen Erweiterungsflächen des Mauerparks statt. Eingeladen hatte die Bürgerwerkstatt. Ca.50 Mitglieder, interessierte Bürger und Kritiker waren erschienen. Es gab Salzbrezeln und alkoholfreie Getränke. Sogar das Wetter spielte nach anfänglichem Zögern mit.

Hauptsprecher und Erklärer war, wie immer bei diesen Veranstaltungen, Hans Göhler von der senatseigenen Grün Berlin GmbH, die mit dem Verfahren und der Begrünung beauftragt ist. Nur Uninformierte konnte verwundern, dass immer von temporärer oder Zwischennutzung die Rede war. Denn darum geht es im Kern. Das muss man sich immer vor Augen halten. 2015 hat der Investor im Norden Baurecht oder nicht. Im letzteren Falle wird das Ganze rückabgewickelt oder ein Provisorium bleiben, falls die Bürger sich dass gefallen lassen!

So sprach auch Frau Haun von der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt in jedem zweiten Satz von temporär und Zwischennutzung –  das nur zur Einordnung der Veranstaltung. Der Bürger darf mitmachen und ist willkommen unter gegebenen Rahmenbedingungen und Verwertungsinteressen.

Lässt man dies alles einmal beiseite, entwickelte sich ein entspannter, fast harmonischer wirkender Besichtigungsspaziergang mit unfreiwillig komischen Zügen. Z.B. auf dem „Landnahmegebiet“ mit seiner Zierkirschenbeflanzung, auf dem ein wilder Camper mit Migrationshintergrund sich sichtlich unwohl fühlte, ob der ungebetenen Gäste. Oder bei der Frage: Ob hier nicht Wildtiere zu Schaden kommen könnten, bei der sich Göhler nicht ganz sicher war.

Dann wurde ein Baum ausgemacht, H.Funken hatte ihn identifiziert, den Stadtrat Kirchner geflanzt hatte. Na ja, ein wenig mickrig war er schon, der Baum, fast ein Strauch und gerade so den Beräumungsmaßnahmen von Grün GmbH entgangen. Glück gehabt!

Auffällig war die Präsenz der „Mauergärtner“, die schon ein Konzept vorlegten, das aber offen sei. 10 Hochbeete wollen sie noch dieses Jahr anlegen. Auf ihrer Berlinkarte von Bürgergärten war er schon eingetragen. Nr.61, na wenn das kein Ohmen ist! Auch Aktivist H.Funken war ein wenig irritiert. Er warnte vor Schnellschüssen.

Dissens gab es deshalb in der Frage wann beginnen. Göhler und die meisten waren dafür, gleich nach der Eröffnung am 24.Juli loszulegen. Weit gehende Einigkeit dagegen gab es darüber, Toiletten aufzustellen und ein oder zwei zentrale Grillplätze nach internationalen Standard anzulegen.

Als nicht besonders schön, höchstens zweckmäßig, wurde die neu angelegte 6 Meter breite Teerstraße empfunden, die dann ins Gleimviertel verlängert werden soll. Eine zweite durchgehende, etwas kleinere Straße, soll es entlang dem Gleimtunnel geben. Ein weiterer Wermutstropfen: Die hässliche Bauruine einer ehemaligen KFZ-Werkstatt auf dem Gelände bleibt während der Zwischennutzung.

Fazit:

Natürlich kann man, wie Rainer Krüger von der Bürgerwerkstatt, argumentieren, dass endlich nach 40 Jahren Mauerbau und Todesstreifen, und nach noch viel längerer Trennung durch das Gleisbett der Nordbahn, Brunnen- und Gleimviertel wieder vereint werden. Da spricht doch nichts dagegen.

Trotzdem darf dabei der Preis nicht außer Acht gelassen werden, der dafür bezahlt wird. Und das Ende bestimmt nicht der Bürger sonder der Investor. Er hat sich für alle Fälle im Mauerparkvertrag, diesem unsäglichen Dokument von Inkompetenz, abgesichert. Die „Zwischernutzer“ können nur guten Willens sein. Wenn sie mehr wollen müssen sie es sich im Zweifelsfalle erkämpfen.

Epilog:

Warum die Bürgerwerkstatt oder die Grün GmbH das Ganze durch 4 Polizeibeamte begleiten lies, wird ihr Geheimnis bleiben. Die Mauergärtnerinnen fühlten sich dadurch sicherer, andere überwacht. Echt peinlich wurde es durch die Ausführungen eines der Beamten, der für kürzere Sträucher und Bäume plädierte, damit zukünftige Drogendealer besser überwacht werden könnten. Beleuchtung sei auch sehr wichtig! Das fand den Beifall anwesender alleinstehender Frauen.

Flächendeckende, intensive Beleuchtung und Hundegebell gab es leider auch schon mal, 40 Jahre Todesstreifen eben. Das ist die besondere Sensibilität dieses Ortes, der anscheinend unterschiedlich wahrgenommen wird.

Dem Abendrot entgegen:

Nach anfänglich leichtem Nieselregen riss die Wolkendecke auf und der Sommerabend zeigte sich von seiner besseren Seite. Vielleicht war die Begehung auch deshalb länger als geplant. Ca. 1,5 Stunden hatten die Veranstalter für Besichtigung und Diskussion vorgesehen. Es war weitaus später, als sich die letzten Diskutanten zerstreuten – dem Abendrot entgegen, oder sich im Cafe Nielsen versammelten.

Hartmut Dold

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Dem Abendrot entgegen!
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