Ordnungsamt und Anwohner gegen Besserwisser und Querulanten?

Ein Straßenflohmarkt, der Kop Street Day, Sitzplätze um Bäume herum gezimmert und Blumen oder Grün in Badewannen und Töpfen auf den Bürgersteigen, im Sommer ein verlängertes Wohnzimmer eben, gehören seit Jahren zu den liebenswerten Errungenschaften und Traditionen in der Kopenhagener Straße. Hier herrscht noch an einigen Stellen Nachbarschaft, Solidarität und Kreativität. Jetzt soll wohl alles kaputt gemacht werden.

Offensichtlich nerven zwei Anwohner mit Beschwerden, Klagedrohungen und Ähnlichem das Bezirksamt, das von ihnen aufgefordert wird, derartige Zusammenrottungen und Bürgersteigverunreinigungen zu verbieten. Entsprechende Paragraphen beispielsweise über ein Bordstein-Reinheitsgebot werden dem Ordnungsamt telefonisch oder per Fax mitgeteilt und sogar eine Dienstaufsichtsbeschwerde soll gegen den Leiter des Ordnungsamts eingegangen sein.

Das führte dazu, glaubt man den Ausführungen vom Stadtrat Torsten Kühne, dass sich das Ordnungsamt bereits im Mai verpflichtet fühlte, Briefe an die Anwohner zu verschicken, in denen sie aufgefordert wurden, Bänke, Blumen oder anderen Unrat von den Bürgersteigen zu entfernen. Das gipfelte dann darin, dass der jährlich im Juni/Juli stattfindende Straßenflohmarkt, eher ein Kinderflohmarkt, durch drei Mitarbeiter des Ordnungsamtes unterbunden bzw. eingeschränkt wurde.

Selbst diese Aktion war den selbsternannten Ordnungsschützern zu lasch. Eine Beschwerde wurde promt eingereicht. Es fehlte ja die Sondergenehmigung! Ob die Störenfriede und Querulanten einen Gentrifizierungshintergrund haben, weiß man nicht. Ohne sie war es in der Kopenhagener Straße, einem Ort mit viel Tradition und Charme, besser zu leben.

Vieles erinnert an den Bürger, der das Ordnungsamt wegen der Spätis terrorisierte.

Wie Schiller schon in Wilhelm Tell dichtete: „ Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben, wenn es dem bösen Nachbar nicht gefällt.“

Hartmut Dold

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Stress in der Kopenhagener!